Freitag, 23. Juli 2010

Eine kleine Auszeit

Kleine Muscheln kitzeln meine Zehen, eine leichte Brise haucht über mein Gesicht, frische Meeresluft füllt meine Lungen und unter mir ein warmes Sandbett – so könnte ich stundenlang ja wochenlang verweilen und genau das tue ich. Ich habe am anderen Ende der Welt an schneeweißen, meilenlangen Stränden gelegen, doch keine noch so traumhafte Kulisse und auch kein tropisches Klima kann dieses Gefühl der Ruhe und Gelassenheit erzeugen, wie der Flecken Ostseestrand, an dem ich mir schon als Kind Omas Kartoffelsalat von den Lippen geleckt und im kuschligen Bademantel eingemummelt die schäumenden Wellenköpfe auf dem Meer beobachtet habe. Die Tage verrinnen und mein Sommerurlaub in der Heimat ist schon zur Hälfte vorüber, doch jeder Tag am Strand birgt einen Erholungswert von einer Woche Urlaub anderswo. Es ist wie ein leichter innerer Schwebezustand aus dem man nur ungern herausgerissen wird. So verweile ich so lange wie möglich auf meiner Ruheinsel und melde mich mit den nächsten Zeilen dann wieder aus der nicht minder geliebten Großstadt zurück.
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Sonntag, 20. Juni 2010

Immer auf der falschen Seite

Heute hat sich mal wieder eine altbewährte Regel bestätigt, ich wähle in der Bahn stets den falschen Platz. An der Haltestelle habe ich die wohlbeleibte, mürrisch drein blickende und Selbstgespräche führende Frau schon erspäht und mich vorsorglich ein paar Meter weiter weg hingestellt. Aber kaum habe ich die Straßenbahn betreten und Platz genommen, kommt die optisch wie mental brummige Dame unerschrocken auf mich zu und setzt sich direkt neben mir, obwohl direkt gegenüber ein freier Zweisitzer wesentlich mehr Freiraum zum Verweilen geboten hätte. Also quetsche ich mich an die Fensterseite, schaue aus dem Fenster und versuche mir im Geiste einen anderen, schöneren Ort vorzustellen. Aber spätestens der schrille Klingelton eines Fahrgastes hinter mir holt mich zurück in die Gegenwart.
Manchmal habe ich das Gefühl, in einer Sendung mit versteckter Kamera gelandet zu sein. In einer überfüllten Bahn voll mit betrunkenen Freaks und bekifften Touris auf Kneipentour scheine ich die einzige Person zu sein, die weiß, wo sie hin will und das möglichst schnell und ohne Zwischenfälle. Doch falls das personifizierte Unglück sich nicht längst zu mir gesetzt hat, geselle ich mich geradewegs zu eben diesen. Sei es neben dem zappligen Mädchen, das die ganze Fahrt hindurch ihre Probleme lautstark in ihr Handy brüllt oder dem Vollblut-Musiker, der seine Heavy Metall Mucke gerne richtig schön aufdreht, damit die Sitznachbarn drei Reihen weiter auch noch was von dem Geschrei seiner Lieblingsband mitbekommen.
Aber nicht nur in der Bahn ist ein Platz in der Sonne selten. Nehmen wir mal die Wahl der Schlange an der Supermarktkasse oder den beliebten Spurenwechsel bei stockendem Verkehr auf der Autobahn- egal wie man es anstellt letztendlich steht man doch wieder auf der falschen Seite. Das gleiche gilt bei der üppigen Auswahl an kulinarischen Köstlichkeiten auf Straßenfesten. Da gibt es alles was der Magen begehrt und doch entscheide ich mich vom Geruch betrogen für die viel zu fetten, überteuerten Champignons oder das mit reichlich Glutamat versehene süß saure Reisgericht, bei dem Aussehen und Geschmack keineswegs in Einklang stehen.
Und von der Wahl des Cafès zum Fußball gucken, wo doch in Berlin an jeder Ecke gemütliche Kneipen zum Public Viewing einladen, entscheide ich mich natürlich für die Leinwand, auf der die Spieler dank intensiver Sonnenbestrahlung überbelichtet und nur in Nahaufnahme zu erkennen sind. Aber das ist eine andere Geschichte…
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Dienstag, 8. Juni 2010

Ist die Wirtschaftskrise Schuld an der Misere der Journalisten?

Arbeitslose Journalisten berichten stets vom gleichen Schicksal: Auftragseinbruch oder Kündigung aufgrund der Wirtschaftskrise. Die Wirkungsmacht des Arguments der Konjunkturflaute scheint immens. Entscheidungen für einen Personalabbau scheinen so vermeintlich legitimiert und unantastbar.
Insbesondere freiberufliche Journalisten klagen über das unaufhaltsame Wegbrechen ihrer Aufträge, an Festanstellung denken sie längst nicht mehr. Beworben wird sich natürlich trotzdem weiterhin, an ausreichender Qualifikation oder Engagement mangelt es den wenigsten.
Doch ist tatsächlich der wirtschaftliche Rückgang Schuld an der Arbeitsmarktmisere?
Wird denn nicht mehr gelesen oder ferngesehen? Fakt ist, dass aufgrund des veränderten Nutzungsverhaltens der Rezipienten eine Verschiebung innerhalb der Medien stattfindet. Doch besteht infolgedessen nicht auch eine erhöhte Nachfrage für den Onlinejournalismus? Die Journalisten haben sich längst den neuen Anforderungen der Crossmedilität angepasst. Doch auch mit SEM/SEO Kenntnissen oder Know-how im Umgang mit Social Media können nur wenige auf eine Festeinstellung oder solide Auftragslage hoffen.
Sicherlich werden Budgets gekürzt, doch wird hierbei zu schnell die Wirtschaftskrise als Argument vorgeschoben. Krise hin oder her, es werden weiterhin journalistische Produkte - ob Print, Rundfunk oder Online - produziert und konsumiert, nur bedienen sich die Medienhäuser hierfür gerne Praktikanten, studentischen Hilfskräften, Volontären oder Trainees, um den Kostenfaktor Personal auf den kleinsten Nenner zu bringen.
Schlimm genug, dass gut ausgebildete, versierte Fachkräfte arbeitslos werden. Es wird auch fleißig weiter Nachwuchs „gezüchtet“, um die Nachfrage, die trotz Wirtschaftskrise weiterhin vorhanden ist, so effizient wie möglich decken zu können. Ein Kreislauf hat sich in Gang gesetzt, täglich werden neue Praktika und Volontariate ausgeschrieben. Und da sich der Beruf des Journalisten, trotz miserabler Arbeitsbedingungen, weiterhin großer Beliebtheit erfreut, wird es immer wieder ambitionierte Studierende und Studienabsolventen geben, die das Rad der Massenmedien zum kleinen Preis weiter zum Drehen bringen.
Die Folge ist ein merklicher Qualitätsverlust, der wiederrum Konsumenten vergrault was zu weniger Einnahmen führt - und dann muss wieder gespart werden. Und warum? Natürlich wegen der Wirtschaftskrise!
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Montag, 7. Juni 2010

Das Berliner Pflaster

Oder besser das Berliner Verkehrsnetz oder noch besser die Berliner Tramschienen-ja die sind eigentlich schuld. Schuld an den äpfel- und melonengroßen, blauviolett bis blaugrünen Flecken, die meinen Oberschenkel dekorieren. Der entblößt am Badestrand von wachen Kinderaugen die entsprechende Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Was ist eigentlich passiert? Auf dem Weg zum Sonnenbad im Park bin ich mit meinem Rad auf einer Kreuzung scharf nach links abgebogen und dabei mit meinem schlanken Vorderrad in den Schienen der Straßenbahn gerutscht. Die Folge: eine plötzliche und harte Begegnung mit dem Boden. Aber in der Schrecksekunde dachte ich nicht an die quietschenden Autoreifen, sondern vielmehr an die Bewerbung in meinem Korb, die druckfertig nur noch in die eigens dafür gekaufte Bewerbungsmappe geklemmt und noch an jenem Tag abgeschickt werden sollte.
Das Resultat meiner unfreiwilligen Bruchlandung: Knie aufgeschrammt, Oberschenkel angeschwollen, Bewerbungsmappe zerknickt, aber mein Rad ist heil geblieben und ich letztlich noch mit einem Schrecken davon gekommen.
Auch als Frau kann man trotz nicht unerheblicher Schmerzen die Fassung bewahren, wenn fremde Augen einen mustern und ernsthaft besorgt nach dem Wohlbefinden fragen. „Nein danke mir geht es gut.“, sage ich mehrmals tapfer. Als ich mir sicher bin, dass mich keiner mehr anstarrt rufe ich sofort meine Freundin an, damit sie mir entgegenkommt. Ich schiebe bedächtig das Fahrrad neben mir und versuche dabei die Schmerzen Schritt für Schritt auszublenden.
Das Gemeine ist, dass optisch rein gar nichts auf die Pein schließen lässt. Erst Tage später offenbart sich das Geschehene in seinem munteren Farbenspiel und ich gebe zu, ich prahle nun auch schon gern mal damit. Seht her, ich habe das Berliner Pflaster besiegt und ich fahre Rad! Aber ich schaue jetzt zweimal mehr auf die Bahnschienen unter mir und streichle mir dabei sanft über meinen Schenkel.
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Donnerstag, 3. Juni 2010

Der Schweinehund

Eigentlich sollte ich mich freuen, nach gefühlten 100 Jahren Winterzeit klopft nun der Sommer an mein Balkongeländer. Und als begnadete Sonnenanbeterin sollte mein Herz nun Purzelbäume schlagen, ja schreien sollte ich vor Freude.
Aber der Sommer hat ein schlechtes Timing. Denn nach Wochen des unproduktiven Nichtstuns, habe ich mir gerade für heute einen Schreibtischtag verordnet. Bewerbungen sollen geschrieben, dieser Blog gepflegt und Artikel zumindest skizziert werden. Während die gemeine Sonne ihre fiesen Sonnenstrahlen durch die Fensterscheiben lockt, um sie galant auf meiner Nase tanzen zu lassen.
„Ach nur ein Stündchen auf dem Balkon.“, denk ich mir. Nachdem die E-Mails gecheckt, Neuigkeiten bei Facebook gelesen und Small Talk über Skype gehalten wurde, ah und das ausgedehnte Frühstück nicht zu vergessen.
Letztes Jahr war ich ein wenig traurig, dass ich den Sommer verpasst habe. Sechs Tage die Woche, teils über- teils unterbezahlt, vorm Rechner hockend, hat es mir jedoch gar nicht so schrecklich viel ausgemacht, vielleicht weil ich auch nicht viel Zeit hatte, darüber nachzudenken. Und nun jammere ich, weil ich zu viel Zeit habe, um den Sommer zu genießen und zwischen Disziplin und Lotterleben innerlich hin und her gerissen werde.
Aber mal ehrlich jammern gehört doch dazu. Daher sagen wir Deutsche doch auch „Da gibt es nichts zu meckern.“ anstatt „Ja das ist wirklich schön.“ Der allgemeine Gefühlszustand der immerwährenden Unzufriedenheit, gerne auch Weltschmerz genannt, gehört zu den Deutschen wie der Patriotismus zum Großteil der Amerikaner. Hat man zu viel Zeit, fühlt man sich faul, hat man zu wenig Zeit fühlt man sich ausgenutzt, ist es nicht zu kalt ist es zu heiß, das Glas scheint zumindest, immer eher halbleer als halbvoll zu sein.
Zurück zum Thema- die eigene Disziplin. Was ich furchtbar gerne aufstelle sind to-do-Listen. Sie sind zwar ebenso wenig effektiv wie eine Haushaltsliste, auf der man brav verzeichnet, wie viel man ausgeben kann/darf, da man sich weder an das eine noch an das andere richtet. Jedoch gibt sie mir zumindest eine Struktur, was ich vorhatte zu schaffen und hält mir so täglich den Spiegel der Untätigkeit vors Gesicht. Und trotzdem gibt so eine to-do-Liste einem das wohlige Gefühl, Dinge in Angriff nehmen zu wollen und einen Plan zu haben. Und bei all dem Philosophieren darüber, was heute mal wieder schiefläuft kann ich getrost einen Punkt auf meiner Liste abhaken, der neue Eintrag in meinem Blog.
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Die Themen - der ganz normale Wahnsinn

Worüber werde ich schreiben?
Als frische Absolventin eines Publizistikstudiums werde ich ständig gefragt: “ Und worüber schreibst du am liebsten? Was ist dein Steckenpferd?“ Und ich finde diese Frage alles anderes als leicht zu beantworten. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum ich diesen Blog starte. Ich werde über Dinge schreiben, die mich am Tag bewegt haben, Skurriles, Spontanes - einfach den alltäglichen Wahnsinn mit euch teilen. Die Frage ist nur, wer will das lesen?
Eine Menge Leute berichten täglich, wenn nicht sogar minütlich, via Social Media Networks über die Erlebnisse des Alltags – vom Aufstehen mit Katerstimmung bis Zähneputzen vorm Einschlafen. Ganz so banal soll es hier nicht werden. Dieser Blog, soll weder Mode- noch Politik-Blog werden, es gibt keine spezielle thematische Ausrichtung. Letztlich entscheidet der Tag, worüber ich schreiben werde. Und wenn es nichts zu berichten gibt, sollte man es vielleicht auch einfach dabei belassen?
Die letzten Tage boten ja einiges an Input - gestern noch Lena feiert, heute mit Köhlers Rücktritt überrascht. Und was kommt morgen? Es wird also eine Mischung aus eigenen Erlebnisberichten sowie Meinungsäußerungen über den eigenen Alltag überschattender Ereignisse sein.
Für Anregungen/Wünsche/Kritik bin ich jederzeit offen und dankbar.
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Warum schreibe ich diesen Blog?

Pläne - ja an Plänen mangelt es mir wahrlich nicht - das Problem liegt vielmehr in der eigenen Disziplin, die sprudelnden Ideen auch umzusetzen. Ich habe zwar die Möglichkeit hin und wieder Artikel als Freie für ein Onlinezeitung zu schreiben, wenn auch nicht in dem Umfang, um damit meine Miete zahlen zu können, aber das Problem hierbei ist, das man hinsichtlich der Themenwahl doch recht eingeschränkt ist. Gerade als freie Journalistin muss man den Geschmack des Ressortchefs bedienen, was selten den eigenen Schreibwunsch widerspiegelt.
Das Resultat, ich schreibe weniger als vorher, da mein Antrieb mir zwischen unentgeltlicher Praktika , studentischer Mitarbeit am Newsdesk und Schreiben meiner Bachelorarbeit irgendwie und irgendwo abhanden gekommen ist. Und nach ein paar Monaten muss ich feststellen, dass ich in den letzten Monaten meine Leidenschaft fürs Schreiben verloren habe und ich diese dringend wieder aufleben lassen möchte.
Beim verspäteten Frühstück in einem, trotz miserabler Bedienung, gut frequentierten Cafe auf der allgemein bekannten Castingallee im Prenzlauer Berg brachte mich eine gute Freundin auf die Idee, einen Blog zu gründen. Indem ich meine Lust am Schreiben durch selbstbestimmte Themen und eigenes Timing wiederfinde und schaue, was passiert. Zudem bietet ein eigner Blog auch den Vorteil, dass man quasi gezwungen ist, seinen eigenen Schweinehund zu überwinden, um den Blog so aktuell wie möglich zu halten.
Also da bin ich nun und überrascht, wie schnell das ging und noch überraschter, wie leicht die Zeilen von der Tastatur gleiten. Ich freue mich, wenn ihr mich bei diesem Prozess begleitet und durch reges Feedback inspiriert. Ich werde versuchen diesen Blog so aktuell wie möglich zu gestalten- hierzu gleich mal eine Frage an die Community - wann ist ein Blog für euch gut gepflegt? Reicht ein neuer Beitrag pro Tag vielleicht sogar alle 2 Tage? Viel mehr werde ich zumindest wochentags wohl nicht schaffen können, da ich tagsüber meine Brötchen leider außer Reichweite des Journalismus verdienen muss. Und welchen Umfang findet ihr ideal für einen Beitrag? Ich neige, wie ihr seht, schon gerne zu Ausschweifungen. Werde mich aber versuchen, auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ich bin gespannt wohin das führt..



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Zuletzt aktualisiert: 23. Jul, 15:38

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