Kleine Muscheln kitzeln meine Zehen, eine leichte Brise haucht über mein Gesicht, frische Meeresluft füllt meine Lungen und unter mir ein warmes Sandbett – so könnte ich stundenlang ja wochenlang verweilen und genau das tue ich. Ich habe am anderen Ende der Welt an schneeweißen, meilenlangen Stränden gelegen, doch keine noch so traumhafte Kulisse und auch kein tropisches Klima kann dieses Gefühl der Ruhe und Gelassenheit erzeugen, wie der Flecken Ostseestrand, an dem ich mir schon als Kind Omas Kartoffelsalat von den Lippen geleckt und im kuschligen Bademantel eingemummelt die schäumenden Wellenköpfe auf dem Meer beobachtet habe. Die Tage verrinnen und mein Sommerurlaub in der Heimat ist schon zur Hälfte vorüber, doch jeder Tag am Strand birgt einen Erholungswert von einer Woche Urlaub anderswo. Es ist wie ein leichter innerer Schwebezustand aus dem man nur ungern herausgerissen wird. So verweile ich so lange wie möglich auf meiner Ruheinsel und melde mich mit den nächsten Zeilen dann wieder aus der nicht minder geliebten Großstadt zurück.
Sin Dy - 23. Jul, 15:36
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Oder besser das Berliner Verkehrsnetz oder noch besser die Berliner Tramschienen-ja die sind eigentlich schuld. Schuld an den äpfel- und melonengroßen, blauviolett bis blaugrünen Flecken, die meinen Oberschenkel dekorieren. Der entblößt am Badestrand von wachen Kinderaugen die entsprechende Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Was ist eigentlich passiert? Auf dem Weg zum Sonnenbad im Park bin ich mit meinem Rad auf einer Kreuzung scharf nach links abgebogen und dabei mit meinem schlanken Vorderrad in den Schienen der Straßenbahn gerutscht. Die Folge: eine plötzliche und harte Begegnung mit dem Boden. Aber in der Schrecksekunde dachte ich nicht an die quietschenden Autoreifen, sondern vielmehr an die Bewerbung in meinem Korb, die druckfertig nur noch in die eigens dafür gekaufte Bewerbungsmappe geklemmt und noch an jenem Tag abgeschickt werden sollte.
Das Resultat meiner unfreiwilligen Bruchlandung: Knie aufgeschrammt, Oberschenkel angeschwollen, Bewerbungsmappe zerknickt, aber mein Rad ist heil geblieben und ich letztlich noch mit einem Schrecken davon gekommen.
Auch als Frau kann man trotz nicht unerheblicher Schmerzen die Fassung bewahren, wenn fremde Augen einen mustern und ernsthaft besorgt nach dem Wohlbefinden fragen. „Nein danke mir geht es gut.“, sage ich mehrmals tapfer. Als ich mir sicher bin, dass mich keiner mehr anstarrt rufe ich sofort meine Freundin an, damit sie mir entgegenkommt. Ich schiebe bedächtig das Fahrrad neben mir und versuche dabei die Schmerzen Schritt für Schritt auszublenden.
Das Gemeine ist, dass optisch rein gar nichts auf die Pein schließen lässt. Erst Tage später offenbart sich das Geschehene in seinem munteren Farbenspiel und ich gebe zu, ich prahle nun auch schon gern mal damit. Seht her, ich habe das Berliner Pflaster besiegt und ich fahre Rad! Aber ich schaue jetzt zweimal mehr auf die Bahnschienen unter mir und streichle mir dabei sanft über meinen Schenkel.
Sin Dy - 7. Jun, 22:39
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