Donnerstag, 3. Juni 2010

Der Schweinehund

Eigentlich sollte ich mich freuen, nach gefühlten 100 Jahren Winterzeit klopft nun der Sommer an mein Balkongeländer. Und als begnadete Sonnenanbeterin sollte mein Herz nun Purzelbäume schlagen, ja schreien sollte ich vor Freude.
Aber der Sommer hat ein schlechtes Timing. Denn nach Wochen des unproduktiven Nichtstuns, habe ich mir gerade für heute einen Schreibtischtag verordnet. Bewerbungen sollen geschrieben, dieser Blog gepflegt und Artikel zumindest skizziert werden. Während die gemeine Sonne ihre fiesen Sonnenstrahlen durch die Fensterscheiben lockt, um sie galant auf meiner Nase tanzen zu lassen.
„Ach nur ein Stündchen auf dem Balkon.“, denk ich mir. Nachdem die E-Mails gecheckt, Neuigkeiten bei Facebook gelesen und Small Talk über Skype gehalten wurde, ah und das ausgedehnte Frühstück nicht zu vergessen.
Letztes Jahr war ich ein wenig traurig, dass ich den Sommer verpasst habe. Sechs Tage die Woche, teils über- teils unterbezahlt, vorm Rechner hockend, hat es mir jedoch gar nicht so schrecklich viel ausgemacht, vielleicht weil ich auch nicht viel Zeit hatte, darüber nachzudenken. Und nun jammere ich, weil ich zu viel Zeit habe, um den Sommer zu genießen und zwischen Disziplin und Lotterleben innerlich hin und her gerissen werde.
Aber mal ehrlich jammern gehört doch dazu. Daher sagen wir Deutsche doch auch „Da gibt es nichts zu meckern.“ anstatt „Ja das ist wirklich schön.“ Der allgemeine Gefühlszustand der immerwährenden Unzufriedenheit, gerne auch Weltschmerz genannt, gehört zu den Deutschen wie der Patriotismus zum Großteil der Amerikaner. Hat man zu viel Zeit, fühlt man sich faul, hat man zu wenig Zeit fühlt man sich ausgenutzt, ist es nicht zu kalt ist es zu heiß, das Glas scheint zumindest, immer eher halbleer als halbvoll zu sein.
Zurück zum Thema- die eigene Disziplin. Was ich furchtbar gerne aufstelle sind to-do-Listen. Sie sind zwar ebenso wenig effektiv wie eine Haushaltsliste, auf der man brav verzeichnet, wie viel man ausgeben kann/darf, da man sich weder an das eine noch an das andere richtet. Jedoch gibt sie mir zumindest eine Struktur, was ich vorhatte zu schaffen und hält mir so täglich den Spiegel der Untätigkeit vors Gesicht. Und trotzdem gibt so eine to-do-Liste einem das wohlige Gefühl, Dinge in Angriff nehmen zu wollen und einen Plan zu haben. Und bei all dem Philosophieren darüber, was heute mal wieder schiefläuft kann ich getrost einen Punkt auf meiner Liste abhaken, der neue Eintrag in meinem Blog.
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